ICH ÜBER MICH
POESIE UND ÄSTHETIK
Der Augenblick. Gedankenverloren, entrückt, verzückt, hingebungsvoll, rätselhaft, geheimnisvoll, betörend, unnahbar, sehnsüchtig, morbid, melancholisch, sinnlich, anwesend.
Ich bin ein Voyeur im besten Sinne, das Sehen überflutet mich. Sonne auf Farbe, grün,
rot, gelb, Natur, Baum, Ding, Mensch. Aus diesen Zutaten erschaffe ich mir meine eigene
minimalistische Welt. Alles Überflüssige lasse ich weg, Spuren genügen mir. Das ist meine Art
der Kommunikation und Wertschätzung des Lebens. Faszinierend finde ich die scheinbare
Zufälligkeit der Dinge. Durch die Wahl des Ausschnitts gebe ich jener Zufälligkeit ein neues
Miteinander, das von mir so gesehen und bestimmt ist.
Malen und Fotografieren ist pures Glück, grenzenlose Freiheit.
Meine Protagonisten befinden sich auf Wegen und Abwegen. Ich lasse ihnen ihr Geheimnis
und versuche doch absolut offensichtlich zu sein.
Sie sind einfach da und sie selbst, sie lächeln niemals. Es kann ein Gefühl von Verwundbarkeit,
von Sehnsucht oder von Verlorenheit aufkommen. Das ist Absicht.
Lustvoll schwinge ich den Pinsel, werde höchst euphorisch, wenn es mir gelingt eine Weichheit
der Übergänge, befreundete Farbanstöße und eine in zartem Schmelz schimmernde
Oberfläche zu erzeugen.
Großen Wert lege ich auf leere, unberührte, vor sich hin träumende Flächen, ich liebe die
Ruhe und die Klarheit, die sie dann verströmen. Diese scheinbare Leere erzeugt Spannung,
da sie mit Vorstellungen aufgeladen ist. Der Betrachter wird angeregt, sich selbst einzubringen
und seinem “Kopfkino“ freien Lauf zu lassen und sein eigenes Leben in einer Art von
“déjà vu“ darin zu entdecken.
Für manch einen ist es unbequem, sich den fordernden Blicken meiner Gestalten zu stellen
oder deren unmissverständliche Präsenz auszuhalten. Manch eine fühlt sich von den Blicken
meiner Menschen bedrängt. Manche dagegen sind gründlich fasziniert.
Mein Anliegen ist es, nicht krampfhaft “Kunst“ zu machen, ich versuche Poesie und Ästhetik
im banalen Alltag meiner Wesen einzufangen. Dabei schrecke ich nicht zurück vor Mode oder
Beauty. Subtiles “sich Annähern“ ist oberstes Credo. Je mehr Geheimnis und Unsichtbares
jenseits ihrer selbst bleibt, desto besser. Bühnenreife haben sie immer. Applaus ist schön.
Barbara Egin